Von der Industrie- 
und Handelskammer 
Heilbronn-Franken 
öffentlich bestellter 
und vereidigter Sachverständiger 
für deutsche Münzen 
ab 1871 und Euro-
Umlaufmünzen.

 
   
Mitglied im Berufs-
verband des deutschen 
Münzenfachhandels
  GUY M.Y.Ph. FRANQUINET

Meine Sachverständiger-Tätigkeit umfaßt:

  • das Erstellen von Münz-Gutachten bzw. Münz-Expertisen
  • Wertschätzungen von Sammlungen bzw. Einzelstücke
  • sachkundige Hilfe bei Veräusserungen von Sammlungen bzw. hochwertigen Einzelstücken
  • Fachhilfe bei Erbstreitigkeiten, Ehetrennung, Diebstahl, Raub, Fälschungsvorgänge, Fälschungserkennungen usw.
  • Fachhilfe bei allgemeinen Streitigkeiten, bzgl. Erhaltung, Qualitätsangaben usw.


                                   >>> AUGUST 2018 <<< 


 

 

Lieber Sammler,

 

 

 

Mitte 2019 ist es 75 Jahre her, dass das Getto Litzmannstadt geschlossen bzw. befreit wurde.
Wie es möglich war, das unter den dort herrschenden menschenfeindlichen Umständen trotzdem

 

Hoffnung bewahrt und gehegt werden konnten,  davon erzählt das Geld bzw. die Münzen von
Litzmannstadt.

 

 

 

Das Geld von Litzmannstadt 1942-1943

 

 

 

Viele Menschen haben zwar oft von Gettos gehört aber wissen nicht, dass es auf dem Staatsgebiet des Dritten Reiches nur ein Getto gab. Das war das Getto Litzmannstadt, das heutige Lodz, was viele Menschen von dem Lied kennen, „Wir fahren nach Lodz“.

 

 

 

Kaum einer weiß, dass einer der interessantesten und außergewöhnlichsten
Vorgänge in der deutschen Geldgeschichte sich dort in Litzmannstadt, damals die Hauptstadt des Warthegaus und Teil des damaligen Deutschen Reiches,  

 

abgespielt hat.

 

 

 

Am 8. September 1939 wurde die Stadt in Polen eingenommen und als Hauptstadt des Warthegaus in das Deutsche Reich eingegliedert. Die Stadt wurde damals von über 300.000 Polen, 233.000 Juden und  60.000 Deutschen bewohnt. Über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung  bestand keine Klarheit und so wurden diese Menschen zunächst in einem Stadtviertel – nördlich des Stadtzentrums - zusammengebracht  und dieses Areal als ein abschließbares Getto eingerichtet.

 

Am 10. Mai  1940 wurde dieses Viertel hermetisch abgeriegelt.  Es befanden sich ca. 160.000 Bürger darin. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine „offiziellen“ Planungen, aus diesem Getto die größte „Deutsche Werkstätte“  zu machen, man wollte die Bewohner ausgrenzen, um sie unter Kontrolle zu haben.  Im Getto selbst wurde alles Mögliche zentralisiert u.a. die Lebensmittel-versorgung und durch diese Lebensmittel - Zentralisierung flossen - die bis dahin gültigen - Zahlungsmittel über die jüdische Gettoverwaltung in die Hände der Machthaber.

 

 

 

In einer Niederschrift des Rechnungshofes heißt es: „Die gesamte Arbeitsorganisation der Ernährungs- und Wirtschaftsstelle Getto ist auf dem Gedanken aufgebaut, den Unterhalt der im Getto untergebrachten Juden aus Vermögenswerte zu bestreiten, die die einzelne Insassen des Gettos noch im Besitz haben, und die brachliegende Arbeitskräfte, soweit dies irgend möglich ist, in den Arbeitsprozess einzuschalten“.

 

 

 

Als dann am 08. Juli 1940 die Reichsmark außer Kraft gesetzt wurde, hatten die Behörden des Naziregimes endlich die Macht den Menschen ihr ganzes Geld abzunehmen, denn nicht nur die Reichsmark wurde außer Kraft gesetzt sondern auch der Besitz dieser Reichsmark wurde unter strengster „Strafe“ gesetzt.

 

 

Zunächst wurde Papiergeld als Ersatz für die Reichsmark eingeführt, ab 1942 Kleinmünzen und ab 1943 prägte man u.a. 5 Mark in Magnesium.
Magnesium ist ein ganz schwieriges Münzmaterial aber die Gettobewohner schafften es trotzdem ganz ordentliche Münzen damit zu fabrizieren. Das Geld war notwendig um das normale Leben in Gang zu halten.

Im Getto gab es fast alles was es sonst im Dritten Reich auch gab, nur nicht die Freiheit. Der von dem Deutschen favorisierten Judenälteste Mordechai  Rumkowski bekam den Auftrag eine jüdische Gettoverwaltung aufzubauen. Seine Idee war es, dafür zu sorgen, dass die Gettobewohner für die Deutschen unverzichtbar würden um auf dieser Weise deren Überleben zu sichern bzw. wahrscheinlicher zu machen. Nach außen hin wurde das System Getto Litzmannstadt als Beweis dafür her gehalten, dass die Gettobewohner komplett eine eigene Verwaltung hätten.




So gab es z.B. ein Bild vom Ältesten der Juden Rumkowski im Gericht. Recht wurde also in seinem Namen gesprochen. Es gab Ausstellungen, Theater, Lotterie, Krankenhäuser, Schulen usw. usw.

Tatsächlich zeigen Briefe aus dem Getto, die in die ganze Welt aber vor allem auch in die USA gingen, dass die Gettobewohner einen gewissen Stolz auf ihren Wohnort und auch auf dem Geld hatten. In vielen Briefen in die USA befanden sich Geldscheine bzw. Münzen aus dem Getto.  In Wirklichkeit war das System Getto Litzmannstadt aber eine Täuschung, mit der die Machthaber vortäuschen wollten, dass die jüdischen Bewohner eine Selbstverwaltung unterhielten. Dennoch überlebten wohl einige  tausend Gettobewohner diese Kriegszeit und somit ging die Rechnung von Rumkowski zumindest teilweise auf.  Die 5 Mark Münzen aus Magnesium, sind fast alle verloren gegangen. Da Magnesium brennbar ist, ist davon auszugehen, dass im letzten strengen Winter des Gettos, als sich einige hundert Bewohner sich im Getto versteckt hatten, diese Münzen zum Wärmen verwendet wurden.  Rumkowski selbst durfte die Freiheit nicht mehr erleben, am Ende wurde er nach Auswitsch deportiert. 

Die Münzen des Gettos waren zur damaligen Zeitpunkt das Einzige gültige Zahlungsmittel auf deutschem Staatsgebiet und somit deutsche Münzen. Sie ermöglichten einen wirtschaftlichen Ablauf der damaligen  Umstände und jedes einzelne Stück ist ein höchst wertvolles Zeitdokument.  
Es gibt keinen besseren Verwahrungsort dieses Zahlungsmittels als die Hände eines Sammlers. Jede 5 Mark Münze wird mit einem Echtheitszertifikat des Spezialisten für das Geld von Litzmannstadt aus geliefert, denn die Münzen von Litzmannstadt gehören zu den meist gefälschten Münzen weltweit. Bald können auch Sie eine authentische 5 Mark Münze aus dieser Zeit in Ihren Händen halten.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Die Finanzabteilung beim Zählen von Gettogeld.




Polizeiaufsicht beim Prägen vom Getto Münzen. Die Prägestempel auf der Ablage sind deutlich sichtbar.